Das Stück
Zur Inszenierung
Bertolt Brechts Einakter "Die Kleinbürgerhochzeit" ist eine komödiantische und boshafte Parabel von der Brüchigkeit
bürgerlicher Normen. Selbstbewußt und stolz verabscheut man das "Lumpenzeug in den Läden". Die selbstgebauten Möbel sind Ausdruck der Illusion, in einer arbeitsteiligen Welt noch alles selbst machen zu
können, und des Glaubens, auf diese Weise nur könne sich der Mensch verwirklichen. Die familiäre Verbindung bricht schon auseinander, ehe sich richtig begonnen hat. So stellt der Bräutigam, indem er mit der Freundin
seiner Frau auf handgreiflich lüsterne Weise tanzt, alle geschworene Liebe und Treue als leeres Gerede bloß. Zur Hochzeitsfeier versammeln sich Menschen, die sich nichts zu sagen haben und deren freundschaftliche
oder familiäre Verbindungen keine gefühlsmäßigen Entsprechungen finden. Die Gemeinsamkeit der Feier deutet gerade auf die unendliche Vereinzelung der Menschen: man redet, um nur keine Pause entstehen zu lassen, man
tanzt, um nur irgend etwas zu tun, findet im Grunde aber alles langweilig und fällt schließlich übereinander her. Bei der Uraufführung 1926 in Frankfurt a.M. hieß der Einakter noch "Die Hochzeit". Das klassifizierende Wort
"Kleinbürger" setzte Brecht erst später voran. Das Milieu ist auch nicht ausschlaggebend für diese Aneinanderreihung von gewollten Gemeinheiten und ungewollten Pannen. Brecht schrieb dieses Stück mit 21
Jahren - noch weit entfernt von den großen Dramen und Lehrstücken der Exilzeit. Bei deisem derb-deftigen Stück handelt es sich um den Spaß eines jungen Autors, bei dem Spuren von Karl Valentins Einfluß auf Brecht
deutlich werden. Zu schockieren, die biederen Gemüter aufzuschrecken, das bereitete Brecht Vergnügen. Ein Stück mit wenig politischem Ehrgeiz und viel Verständnis für menschliche Schwächen, mit dem Brecht eine
seiner eigenen Forderungen erfüllt: Theater soll Spaß machen!
Auf und hinter der Bühne
Besetzung & Team
Besetzung
Jakob, der BräutigamUwe Tesch
Maria, die BrautRegina Ecker
Mutter des BräutigamsKatrin Aldag
Vater der BrautMichael Ecker
Ina, Schwester der BrautMaren Ziemke
Die FrauSabine Meyer
Der MannEckhard Grieger
Der FreundHeiner Schmidt
Der junge MannMatthias Gittermann
Hinter den Kulissen
RegieAndreas Prieß
RegieassistenzUta Ohrt
SouffleuseKai Detig
MaskeGerhild Lange
BühneKlaus Gendner, Volkmar Gendner
TechnikJens Steinbrück
FotosVolkmar Gendner
Zeitzeugnis
Aus der damaligen Presse
Harburger Anzeigen und Nachrichten / Hamburger Abendblatt · 8. Juli 1985
Die zeitgenössischen Kritiken lobten die sichere Ensembleleistung, die vielen Details der Inszenierung und den Umgang mit Brechts schwarzem Humor.
